Ich habe keine Zeit! Über Prioritäten und Ausreden.



„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Seneca


Es muss eine Volkskrankheit sein, dass wir alle scheinbar chronisch unter dem „Zuwenig-Zeit-Syndrom“ leiden. Im Kollektiv entscheiden wir uns dafür, diesen Satz immer dann zu verwenden, wenn wir etwas nicht machen wollen. Dabei ist es nur eine Frage unserer Prioritäten.

Merkwürdigerweise stimmt daraufhin jeder zu, denn eine andere Sache als Prioritäten-setzung ist das „Zuwenig-Zeit-Syndrom“ nicht. Dennoch verstecken wir uns nur zu oft vor dieser simplen Wahrheit.

Ein Einblick in das Dilemma

„Ich muss so lange arbeiten und danach mit dem Hund Gassi gehen, da hab ich keine Zeit mehr für Sport!“ Um nur ein Beispiel hierfür zu nennen. Dabei kann es doch herzlich egal sein, ob du Sport machst oder nicht. Der Fakt, dass du diese Ausrede benutzt impliziert, dass du eine Ausrede für dich selbst benutzt – sei es, weil du dich mit dieser mentalen Morphium-Spritze besser fühlen willst oder weil du dich insgeheim selbst verurteilst.

Da fangen die Probleme meist schon an. Eine Selbst-Verurteilung, nur weil andere Prioritäten und Werte höher stehen als zum Beispiel der Sport.

Ja dann ist dir die Arbeit und der Hund nun mal wichtiger, was ist denn so schlimm daran, das zuzugeben und ehrlich zu sein? An diesem Punkt können wir tiefer in das Problem graben.

Vergleichst du dich zu sehr mit anderen? Prioritäten und Wertvorstellungen von anderen Menschen müssen nicht DEINE Prioritäten und Werte sein. Wenn du sie aber gern zu deinen Werten machen möchtest, dann wirst du für jede neue Tätigkeit Disziplin aufwenden müssen. Du benötigst diese Disziplin so lange, in der Regel 2 bis 3 Monate, bis aus einer neuen Tätigkeit eine Regelmäßigkeit entsteht.

Selbst-Ehrlichkeit als Zeit-Schlüssel

Der Schlüssel dazu liegt aber im Konzept der Selbst-Ehrlichkeit vergraben. Die meisten von uns haben dieses Konzept jedoch weder richtig gelernt, noch verstanden oder intensiv umgesetzt.

Es ist, als müsste man sich selbst, also das eigene Bewusstsein und Unterbewusstsein, belügen, um sich selbst wegen des permanenten Vergleichs mit anderen besser zu fühlen. Dabei ist der Weg der Ehrlichkeit der, welcher dir ermöglicht ein freieres und selbstbestimmteres Leben zu führen. Du brichst damit aus deinem goldenen Käfig der süßen Ausreden aus und wirst zu dem Adler, der zum ersten Mal die Welt auf eigene Faust erkundet.

Nur ist uns dieses Konzept meist nie richtig beigebracht worden. Uns wurde normalerweise hauptsächlich Unterordnung beigebracht. Unterordnung in der Gesellschaft, in der Firma, in der Familie. Immer schön das sagen, was andere hören wollen, um auch ja niemandem auf den Schlips zu treten. Denkst du, mit dir selbst und deinem Unterbewusstsein verhält sich das anders?

Selbst-Reflexion

Jeder, der behauptet, er kennt sich selbst in- und auswendig, hat leider nur wenig begriffen. Denn wir kennen uns selbst nicht einmal Ansatzweise. Es gibt nicht umsonst viele, viele Menschen, welche Psychologie studieren und viele der größten und einflussreichsten Psychologen werden heute noch regelmäßig zitiert. Wir dürfen uns nicht anmaßen zu denken, wir wüssten schon genug über uns selbst. Aber wir können nach universellen Wahrheiten handeln, welche uns als Werkzeug für mehr Lebensqualität dienen.

"Im Leben sind wir ständig auf der Jagd, Minuten zu sparen, während wir Stunden, Tage, Monate und JAHRE verschwenden."

Ein Werkzeug davon ist die Ehrlichkeit zu sich selbst. Es bringt nichts, sich selbst einzureden man hätte keine Zeit für etwas. In den meisten Fällen will man sich keine Zeit dafür nehmen. Entweder, weil es etwas ist, was von einer anderen Person in unser Leben getragen wurde, was wir nicht möchten. Oder es ist etwas, was unter unseren Wertvorstellungen nicht funktioniert.

Wenn du also den Wert Gesundheit und Fitness bei dir sehr hoch in der Hierarchie eingereiht hast, wirst du eher nicht zustimmen, dich hemmungslos zu betrinken und am nächsten Tag den schlimmsten Kater deines Lebens zu haben. Diese Entscheidungen passieren in der Regel unbewusst, du kannst dein Werte-System aber sehr wohl bewusst in eine Reihenfolge setzen, verändern und danach handeln. Wie du das machst, dazu erzählen wir bald mehr.

Entscheidungen zu treffen erfordert den Mut, ehrlich mit sich und anderen zu sein. Somit kommen wir zum nächsten, wichtigen Punkt im Umgang mit der Zeit. Willst du das wichtigste Werkzeug kennenlernen, was es gibt, um dir soviel Zeit zu schenken, wie du brauchst?

NEIN

Dieses Wort schenkt dir die Welt. Dieses Wort schenkt dir dein Leben und alle Zeit der Welt. Du wirst damit nur noch Entscheidungen treffen, die dir wichtig sind. Nur noch Dinge, die du wirklich willst, wirst du mit JA beantworten und den Rest mit NEIN.

Was du dafür brauchst, ist wie mehrfach erwähnt, Mut. Den Mut, anderen nicht immer gefallen zu wollen, sondern für deine Prinzipien und Prioritäten einzustehen.

Du wirst damit Menschen aus deinem Leben vertreiben. Das kann weh tun. Aber mal angenommen, du hättest nur noch Menschen in deinem Leben, welche dieselben Interessen und Werte haben wie du, wäre es das nicht wert?

Oder willst du dein Leben mit Leuten verbringen, mit denen du Dinge tun musst, auf die du keine Lust hast? Oder Personen, welche du mit „Ich habe keine Zeit.“ anflunkerst, damit du etwas nicht machen musst? Denkst du nicht, auch diese Personen haben es ohne dich besser? Ohne einen Menschen, der Sie anflunkert, wenn diese etwas machen wollen was sie toll finden, du aber nicht?

Das ist sehr dramatisch ausgedrückt, aber im Leben sind wir ständig auf der Jagd, Minuten zu sparen, während wir Stunden, Tage, Monate und JAHRE verschwenden.

Zeitfresser und Mitmenschen

Sogenanntes Zeit-Management ist super modern. Man kann sich bis zur letzten Minute verplanen und nur Aktivitäten in den letzten Winkel der freien Zeit stopfen, welche produktiv sind. Leider wird man selbst dadurch aber zum Untertan der verplanten Zeit und arbeitet eine Tätigkeit nach der anderen ab.

Alles, was dann dazwischen kommt, wird als Störung des Ablaufes betrachtet. Seien es Mitmenschen, die nur Gutes tun wollen oder ein „lästiger“ Anruf eines Freundes.

Auf der Jagd nach immer noch effektiverer Arbeit vergessen wir gerne Pausen und Menschlichkeit. Zeitfresser jedoch sind Dinge, welche dir mehr Zeit stehlen als sie dir bringen. Wer sich also beklagt, er habe zu wenig Zeit, sollte sich hinterfragen, ob er seine freie Zeit nicht schlichtweg verschwendet.

Klassische Zeitfresser wären hier zum Beispiel: Der Fernseher, das Smartphone, Klatsch und Tratsch und Aufgaben, die auch jemand anders machen könnte.

Zeit-Fazit

  • Lerne, den Satz „Ich habe keine Zeit!“ umzuwandeln in ein NEIN oder JA - je nach Priorität

  • Sammle den Mut, ehrlich zu dir selbst und zu anderen zu sein

  • Erkenne, was dir wirklich wichtig ist im Leben und verurteile dich nicht selbst

  • Vergleiche dich nicht mit anderen, denn nur deine Prioritäten und Werte dürfen dich leiten

  • Nutze deinen Mut, um auch wirklich NEIN zu sagen

  • Verplane deinen Tag nicht in die letzte Minute, lass dir freie Zeit für dich

  • Gib Zeitfressern keine Chance mehr und verschaffe dir mehr Zeit

Bonus Tipp

  • Plane dir bewusste Pausen in deinen Arbeits-Alltag. Wenn du in einem Büro arbeitest, nutze diese 5 bis 10 Minuten Pause, um dich zu bewegen. Falls du aktiv arbeitest, nutze die Zeit um zur Ruhe zu kommen. Gib deinem Körper bewusst eine Auszeit, in welcher du dich ganz auf dich selbst konzentrierst. Du wirst dadurch mehr Energie haben und über den Tag verteilt nutzen können.

Bitte nimm dir diese Tipps zu Herzen. Sie werden dein Leben nachhaltig verändern und formen. Auch, wenn es am Anfang unangenehm ist, zwickt und weh tut. Viel mehr würde es weh tun, in einem Burnout überhaupt nichts mehr mit unserer Zeit anfangen zu können.

Deine

Katharina & Sandro

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